Eine Geschichte aus der Praxis der NIA-Coaches

Kevin P. s Weg in die Freiheit

Auf diesen Tag hat Kevin P. fast drei Jahre gewartet. Wie oft hat er sich den Moment ausgemalt? Hunderte Male? Jetzt ist es soweit. Das Gefängnistor wird geöffnet, Kevin ist frei.

Die Haftzeit in der JVA liegt hinter ihm, nie wieder, will er hierher zurück. Ob er das schafft, hängt jedoch von vielen, ganz unterschiedlichen Faktoren ab. Und die Gefahr eines Rückfalls ist gerade bei jugendlichen Männern leider recht groß.

Dass Kevin nicht wieder hinter Gittern landet, ist ein Ziel des Projekts NIA. Bereits heute leisten die hessischen Justizvollzugsanstalten sehr viel, wenn es darum geht, Gefangene schon im Strafvollzug auf die Haftentlassung vorzubereiten. Wo den Justizvollzugsanstalten enge Grenzen gesetzt sind – ihre Zuständigkeit endet am Tage der Haftentlassung – kann NIA weiterarbeiten und so die wichtige Arbeit der JVAs - auch über die Grenzen der Haft hinaus unterstützen.

Kevins Chancen stehen gut. Da er eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verbüßen musste, hatte er genug Zeit die vielen Angebote der JVA wahrzunehmen. Er holte seinen Schulabschluss nach, absolvierte ein Antigewalttraining und setzte sich mit seiner Tat auseinander. Zudem konnte er, im Rahmen berufsorientierender Maßnahmen, eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik beginnen und die Zwischenprüfung erfolgreich abschließen.

Hilfreiche Unterstützung durch NIA-Coaches

Nach der Haftentlassung legte die zuständige Bewährungshelferin Kevin nahe, die Leistungen des NIA-Projektes zu nutzen. Kevin willigte gerne ein. Denn er hatte inzwischen auch gelernt, Unterstützung anzunehmen. Mit dem NIA-Coach begann Kevin, seine Bewerbungsunterlagen fertig zu stellen. Die gute Kooperation von NIA mit dem lokalen Jobcenter machte eine Beratung schnell möglich und die Fördermöglichkeiten wurden für Kevin verständlich. Im Unternehmensnetzwerk lancierte der Coach eine Ausbildungsplatzsuche, die dank der vielen beteiligten Unternehmen Wirkung zeigte.

Nachdem Kevin Anfang November entlassen wurde, begleitete ihn der Coach bei den ersten Behördengängen. Ein Platz im Wohnheim war ihm sicher und schon im Januar konnte er seine Ausbildung fortsetzen. Bei einem Unternehmen - draußen. Die in der JVA erreichten Abschlüsse wurden anerkannt.

Der Coach steht ihm bei Bedarf noch für einige Zeit unterstützend zur Seite – und zwar unabhängig davon, ob es sich um Probleme im Betrieb, Fragen der Freizeitgestaltung oder Behördengänge handelt. Zwei Monate später äußerte sich Kevins Ausbildungsleiter hoch zufrieden über die Entwicklung seines Schützlings – und der Coach musste bisher nur einmal bei der Suche nach einem geeigneten Sportverein unterstützend tätig sein.

Kevin ist voller Zuversicht. Dank seinem festen Willen ein neues Leben zu beginnen und der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten stehen die Chancen gut, dass dies gelingt.